Ihr habt ja alle mitbekommen wie im Berner Oberland, genauer gesagt im Diemtigtal zwei Lawinen niedergegangen sind und zuerst eine Tourenfahrergruppe verschüttet haben und als Nachlawine die zuhilfegeilten Tourengänger sowie ein Rega-Arzt verschüttet haben. Ich möchte zuerst einmal mein Beileid aussprechen für die verstorbenen.
Ich bin selbst Freerider und Tourengänger und somit stellt sich für mich bei so einem Unglück immer die Frage wie hätte ich gehandelt, respektive haben sich die Personen richtig verhalten. Zur Nachlawine kann ich nichts sagen, bis jetzt habe ich noch zuwenig Informationen.
Zu der ersten Lawine stellen sich mir ein paar fragen. Allen voran, wäre ich auch auf die Tour gegangen? Ich habe mich mit einem guten Freund unterhalten der diese Tour auch schon gemacht hat und nach gewissenhafter Planung muss ich sagen, ja ich wäre auch aufgebrochen. Die Tour an und für sich ist nicht sonderlich schwer und gefährlich und zudem hat das SLF für das Diemtigtal die Gefahrenstufe Mässig herausgegeben.
“Zum Zeitpunkt des Unglücks stufte das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) die Lawinengefahr im Diemtigtal als mässig ein.” – (Berner Oberländer)
Ich selbst war an diesem Sonntag freeriden in Adelboden. Wir haben nichts aussergewöhnliches gemacht und trozdem schaute ich mir die Verhältnisse genau an. Vor jedem hang aufs neue und konnte keine Alarmzeichen feststellen.
Ich möchte euch fragen, seit ihr auch Freeriden gewesen, wäred ihr gegagen, was denkt ihr dazu?
Mit diesem Ereigniss möchte ich eine Serie anfagen über Lawinen, Lawinenkunde und Lawinenrettung denn wir alle lieben das fahren in unverspurten Hängen und tiefem Powder, doch wir sollten uns auch den Risiken bewust sein.
Grundsätzlich ist schon etwas richtig schief gegangen wenn einer von eurer Gruppe von einer Lawine erfasst wurde. Denn dann sind meist Fehler passiert bei der Beurteilung der Lage. Doch kommen wir zuerst mal auf die Ausrüstung zu sprechen welche man immer dabei haben sollte für den Fall das eben trotz alle Vorsicht etwas passiert.
Zuerst sollte man wissen das in den ersten 15 Minuten die Überlebenswarscheinlichkeit in einer Lawine noch relativ hoch ist. Doch schon zwischen 15-35 Minuten tritt der “tödliche Knick” ein und die Chancen lebend aus der Lawine rauszukommen nimmt dramatisch ab. Dieser Knick tritt ein weil die Atemhöle vor Mund und Nase durch die warme Atemluft zuerst geschmolzen wird, dann aber wieder zugefriert und somit Luftdicht abschliesst. (Quelle: » scinexx, Munter03)
Somit hängt das Überleben des Lawinenopfers entscheidend davon ab wie lange es dauert bis die Rettung erfolgt. Das heisst also bis die Rega oder SAC eintrift ist euer Kollege warscheinlich schon Tod, also müsst ihr selbst ran. Dazu müssen aber alle mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sein.
Zuallererst braucht ihr einen Rucksack um alles sicher verstauen zu können. Es ist zu empfehlen einen zu nehmen der Brust- und Hüftgurt hat, damit ihr ihn nicht bei jedem Sturz verliert.
Das LVS (Lawinenverschüttetensuch-Gerät) darf auf keine Fall fehlen. Denn nur so könnt ihr eueren Kolleg schnell genug finden das eine Chance aufs Überleben besteht. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von LVS, zum einen analoge, zum andern digitale Geräte. Ein analoges Gerät arbeitet mit einer Antenne und zeigt durch einen lauter werdenen Ton an das ihr euch dem Verschütteten nähert. Ein digitales Gerät hat zwei oder drei Antennen und erlaubt sommit das Anzeigen der Richtung (entlang der Feldlinien) sowie der Distanz zum Verschütteten. Heute sollte man nur noch ein digitales Gerät kaufen. Denn die analogen sind schwerer zu bedienen und langsamer bei der Suche.
Einige bekannte LVS:
- Mammut Pulse Barryvox
- Pieps DSP
- Arva Evolution3
- Tracker DTS
- Ortovox S1
Doch ein LVS alleine reicht nicht um den Verschütteten sauber zu Lokalisieren, für die Feinsuche und das Einschätzen der Tiefe ist eine Sonde unerlässlich. Diese sind meist aus Alluminium und sollten ca 2.5 Meter lang sein.
Wenn wir nun unseren Kollegen geortet haben müssen wir ihn freischaufeln. Vergesst alle Ideen ja ich schaufle ihm mit dem Snowboard, den Skiern oder gar mit den Händen aus. Denn Lawinenschnee ist meist hart wie Beton. Da braucht es schon das richtige Gerät in Form einer Lawinenschaufel. Diese könnt ihr natürlich auch sehr gut verwenden um Kicker zu bauen oder Streetrails freizuschaufeln.
Eine solche Lawinenausrüstung kostet euch zwischen 400 und 800 Franken, je nach dem welches LVS ihr euch kaufen wollt. Das tönt im ersten Moment nach viel Geld, doch denkt daran eine solche Ausrüstung hat man lange Zeit und wenn man sie mal brauchen sollte ist sie unbezahlbar. Ich möchte nicht untätig dastehen wenn einer meiner Kollegen von einer Lawine verschüttet wird.
Das war es für den ersten Teil einer Serie von Artikeln über Lawinen.
Denkt daran:
- Vorsicht ist besser als Nachsicht
- Neben der Piste, immer mit Ausrüstung
Literatur
[Munter03] 3×3 Lawinen, Werner Munter, Verlag Pohl & Schellhammer 2003, » Amazon
[SLF] WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung » www.slf.ch
[Kurzeder, Feist] 09Powderguide Lawinen: Risiko-Check für Freerider , Amazon


January 7th, 2010 at 12:31 pm
Und ein Black Diamond Avalung Rucksack ist auch eine gute Idee…!!